Drei Schluchten und ein Damm: Awfully Chocolate and a minority dance

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Yangtse River
photo by greenpandatracks

In China habe ich ja schon viele interessante englische Namen gehört, die oftmals  den Schülern von ihren Englischlehrern verliehen werden, wenn auch zunehmend weniger, meistens eher altbackene wie etwa Howard. Der englische Name unserer Reiseleiterin für den kleinen Bootsausflug zu dem Dorf einer Minderheit, so wurde uns das verkauft, war aber der Abschuss. Sie hatte sich selbst den Namen Chocolate gegeben, hätte sie nur die Namenswahl ihrem Englischlehrer überlassen, auch auf die Gefahr hin als Rosalind oder Gertrud durch die Welt zu laufen.

 yangtse river cruise_touristguide chocolate_minority village dance
Tourist guide chocolate in action
photo by greenpandatracks

Jedenfalls musste ich augenblicklich an das neue Cafe Awfully Chocolate im Sanlitun Village im Chaoyang Distrikt in Peking denken. Dort gibt es guten Kaffe und Schokolade in allen nur erdenklichen Variationen. Ein Ort der Erholung und Muse mit Koffein, Schokolade und Zucker. Nicht so in diesem Fall. Das kleine Boot mit gläserner Überdachung entwickelte sich schnell zu eine Art Gewächshaus mit penetranter Dauerbeschallung mit den Ausführungen von Chocolate. Es war awfully chocolate im negativen Sinn. Ein leichter Anflug von Platzangst in Kombination mit Hitzestau und Kopfschmerzen bahnte sich Weg. Auf dem kleinen Boot gab es kein entkommen, da das offene Hinterdeck schon von anderen Touristen blockiert war.

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Small gorge of the Yangtse River
by greenpandatracks
Da einer der Hinterdeck-Touristen den Fehler beging wieder in das dahinschippernde Gewächshaus zurückzukehren, konnte ich einen Platz an der frischen Luft ergattern. Landschaft war sehr schön, die Luft kühl und erholsam. Aus dem vorderen Teil des Bootes dröhnte die Stimme von Chocolate aus dem für Touristenführer in China üblichen kleinen mobilen Lautsprecher. Endlich waren wir am Ziel des kurzen Ausflugs, dem „Dorf“ einer Minderheit. Zu unser aller Verwunderung bestand es aus zusammenhängenden Plastik Pontons. Nach einem richtigen Dorf hielt ich vergebens Ausschau. Auch dieses lag entweder wohl mittlerweile unter Wasser oder es war einfach ein Tourinap, also eine Verarschung.
Wir hatten uns von der Hitze und Lautstärke der Bootsfahrt gerade so gut wie erholt und fragten uns, was uns nun auf diesem Nicht-Dorf erwarten würde da dröhnte lautstark chinesische Musik aus Lautsprechern, die uns wohl entgangen waren. Es brach ein Höllenlärm über uns herein als dann die versammelten Kolleginnen und Kollegen von Chocolate ein Lied zur Musik anstimmten.
Ich war platt und traute meinen Augen und Ohren nicht. Die chinesischen Touristen klatschten vor Freude. Als dann tanzen angesagt war brachen alle Dämme, die chemischen Touristen hatten wohl nur darauf gewartet ihr Bewegungsdefizit auszugleichen. Es war regelrecht ein dancing spree, nicht zu verwechseln mit killing spree. Ein Krieg mit anderen Mitteln ein all out dancing. Den Chinesen gefiel es. Mir blieb nichts anderes übrig, als es mit Humor zu nehmen. Insgesamt scheint es ein Trend in China zu sein Tanzdarbietungen von realen oder vermeintlichen Minderheiten als Touristenattraktionen zu verkaufen, wie etwa die tanzenden Tibeter in Shangri-La.
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