Shangri-La: Einmal Kleintibet und zurück

Stupa
Stupa nicht Stuka

Wenn schon Dêqên Tibetan Autonomous Prefecture, dann aber bitte auch richtige Tibeter? So in Tracht, in ihrer ganzen Ursprünglichkeit, der edle Wilde wie aus Karl May Büchern? Eigentlich nicht, jedenfalls nicht in Shangri-La. Ist auch nicht wirklich schlimm, diese romantische Verklärung ist sowieso abwegig. Auch Tibeter freuen sich über moderne Heizungen, Mobiltelefone, Fernsehen und natürlich Autos. Wieso noch mit getrockneten Yack-Dung heizen, wenn Mensch das auch nicht erst seit heute mit Strom kann?

Dennoch, eine kleine Wanderung durch das direkte Umland von Shangri-La mit einem kleinen Zwischenstop zwecks Mittagessen mit Locals in einem Dorf fand ich nicht so unattraktiv. Immerhin stellen Tibeter 33 Prozent der Bevölkerung in der Präfektur Deqin, wieso sich noch mit Lisu (27 %) oder Nakhi (12 %) abmühen? Diese Minderheiten kennt im so zivilisierten Westen doch sowieso kein Mensch.

Unser Guide war nett, kannte sich gut aus, war ja seines Zeichens selbst Tibeter, und hatte selbst die Wanderung über den Himalaya nach Dharamsala in Indien überlebt. Allerdings war er dann nicht in die Autonome Region Tibet zurückgekehrt. Wir hatten die Tour nicht über eine der üblichen Agenturen gebucht, die sich sehr auf chinesische Gruppenreisen spezialisiert haben. Eine solche Tour haben wir auch in den Balagezong Shangri-La Grand Canyon National Park unternommen. Sie hatte ihren sehr eigenen Charm, war jedenfalls ein Erlebnis! Musste aber auch nicht so schnell wiederholt werden.

Auch hatten wir die Tour nicht über unser Guesthouse gebucht, obwohl uns das angeboten wurde, Stichwort: responsible travel. Also Ausgaben diversifizieren. Daher haben wir die Tour über das Timeless Inn unweit unseres Guesthouses gebucht. Die Betreiberin, die sich den englischen Namen Rose ausgesucht hatte und zuvor das gleichnamige Cafe in der Altstadt betrieben hatte, bis es bei dem Brand 2014 in Flammen aufging, bietet auch von lokalen Guides geführte Touren an.

Tibetische Mahlzeit
Tibetische Mahlzeit

Also wanderten wir eine ganze Weile, bis es in einem Dorf an das Mittagessen ging. So richtig tibetisch, das heißt Buttertee trinken, um genau zu sein Yak-Buttertee, und Gerstebrei selbst herstellen. Man gebe dazu gemahlene Gersten in eine kleine Schüssel, ergänze das mit dem Yak-Buttertee und knete das Ganze zu einem Klumpen. Fertig ist das tibetische Nationalgericht. Vorsicht, wenn es zu wenig Yak-Buttertee ist wird das eine ziemlich klebrige Angelegenheit und es ist mehr an den Fingern als an der Schüssel. Überhaupt ist der in der Zubereitung der Mahlzeit geübte an sauberen Fingern zu erkennen. Von dem Gerstenklumpen dann genüsslich abbeißen. Dazu gab es Brot, das sehr lecker und ausnahmsweise nicht gesüßt war, und Rührei in Yak- bzw. Dink-Butter gebraten. Dink ist die Bezeichnung für weibliche Yaks. Danach ging es mir wie nach einem ausgiebigen englischen Frühstück, ich stand aufgrund des hohen Fettgehalts der Mahlzeit kurz vor einer Kolik.

Tibetische Kommunisten
Tibetische Kommunisten

Was auffallend war, an einigen Häusern in den Dörfern, die wir durchquerten, wehtedie Fahne der Kommunistischen Partei Chinas oder des Kommunistischen Jugendverbands Chinas. Grob geschätzt an jedem 3. – 4. Haus. Angehörige der tibetischen Minderheit als Mitglieder der CPC? Irritation machte sich breit. Das Bild des stramm antikommunistischen Tibeters muss wohl revidiert werden.

Das Ende der Wanderung war an dem Tempel der fünf Buddhas unweit des Dorfes Ringha, auf dessen Gelände es nur so vor Ziegen wimmelte, die von Gläubigen vor dem Metzger gerettet worden waren. Sie wurden zwar versorgt aber auch nicht soweit, dass sie zum Tierarzt gebracht worden wären. Ist ja sowieso alles ein Kreislauf von Geburt und Wiedergeburt, nicht wahr?

Berge mit Schnee (ganz hinten)
Berge mit Schnee (ganz hinten)
Altes Haus
Altes Haus
Neues Haus
Neues Haus
Yaks und Dinks
Yaks und Dinks
Tempel der fünf Buddhas
Tempel der fünf Buddhas
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