Balagezong Shangri-La Grand Canyon National Park

Wichtiger Hinweis
Wichtiger Hinweis

Die Tour zum Balagezong Shangri-La Grand Canyon National Park fing ganz gemütlich an, so weit dies überhaupt um 08:00 Uhr am Morgen möglich ist. Langsam trudelten weitere Touristen an, die ebenfalls die Balagezong-Tour gebucht hatten. Drei Herrschaften aus Taiwan, ein älteres Pärchen aus Frankreich mit einer chinesischen Begleiterin, eine chinesische Mittelschichtsfamilie, inklusive im Dauermodus auf iPad tadelnden Sohnemann, und eine norwegisch-chinesische Familie, wie sich später herausstellen sollte.

Serpentinen mit Aussicht
Serpentinen mit Aussicht

Der Franzose, dessen Name ich leider vergessen habe war ziemlich cool, er plauderte mit seinen paar Brocken Englisch gleich los. Fand es super, dass wir aus Berlin kamen und erzählte gleich von seinem Dienst in der französischen Armee in Berlin-Spandau. Dort hatte er in dem Kriegsverbrechergefängnis Spandau die Nationalsozialisten Baldur von Schirach, Albert Speer und Rudolf Hess bewacht. Die Fahrt mit dem Kleinbus war recht rasant und entbehrte, dank der Serpentinen, nicht gerade wenigen Kurven. Kurz gesagt: Es war sehr abwechslungsreich.

Eingangsbereich Balagezong National Park
Eingangsbereich

Am Eingang Balagezong Shangri-La Grand Canyon National Park wurden wir wie gewohnt empfangen, mit der Fahne der Kommunistischen Partei Chinas und einer Baustelle. Überhaupt wird China gebaut, das ganze Land scheint fast eine große Baustelle zu sein. Wer sich über die vielen Baustellen in Berlin aufregt, gebe ich gerne einen Rat, fliege, fahre oder wandere hin wo immer es dir beliebt, aber nicht nach China.

Ich hatte mich schon  gefreut, die bunt zusammen gewürfelte Gruppe machte zunächst einen netten Eindruck. Es sollte aber nicht so bleiben. Wir warteten einige Zeit im Eingangsbereich bis die Gruppe auf 50 Personen angeschwollen war. Einige Hobbyfotografen und eine etwas größere Gruppe neureicher Yupppiekids deren Extra-Akkus für ihre iPhones mindestens dreimal so groß waren wie das Telefon selbst. Das diese Akkus in China gang und gäbe sind war mir ja klar, mittlerweile besitze ich selbst ein solches, dass es diese Dinger auch in einer derart Überdimensionierten Version gab war mir aber bis dato unbekannt. Ich staunte nicht schlecht. Man könnte ja auf einem Ausflug in die Natur verpassen was die Freunde in Shanghai, Beijing, Chongqing oder Xi’an gerade auf WeChat posten. Endlich ging die Tour los. Kurze Anweisungen auf Chinesisch, auf nachfrage auch widerwillig auf Englisch. Es wurden die Erläuterungen bezüglich des kleinen Tempels direkt neben dem Eingang ausschließlich auf Chinesisch gehalten. Nachfragen zwecklos. Irgendwie doof, wenn man eigentlich ein Tour auf Englisch gebucht hat.

Blick von der Stupa auf die Berge
Blick von der Stupa auf die Berge

Dann fuhren wir mit dem Bus, vielmehr schlängelten wir uns, die Serpentinen den Berg hoch. Die Chinesen hatten viel Spaß, der Reiseführer war gleichzeitig auch Animateur, Spiele und Gesang waren angesagt. Lautstärke und Tonfrequenzen waren enorm. Schließlich, vielmehr endlich, erreichten wir einen überdimensionierten Parkplatz am Fuße eines kleinen Hügels auf dem eine Stupa stand. Von dort hatten wir den Blick auf die den Balagezong. Also alle schnell rauf auf den Hügel, Beweisfotos erstellen und dann schnell an dem kleinen Kiosk Kekse und Cola kaufen. Dann schnell WeChat-Account, das chinesische WhatsApp, checken. Aussicht genießen? Fehlanzeige. Diese Rich-Kids sind überall auf der Welt anscheinend gleich.

Der Fluss Gangqu
Der Fluss Gangqu

Dann wieder die Serpentinen runter gefahren und uns an einem Wanderweg in der Schlucht des Gangqu Flusses abgesetzt, für diesen hatten wir dann 1,5 Stunden Zeit. Entspannen und die Aussicht genießen war da eher nicht drin. Obwohl die Wanderung in der Schlucht, mit dem malerische Fluss und der über 1000 Meter tiefen Schlucht, sehr eindrucksvoll war. Zurück zum Parkplatz, auf dem der Bus auf uns wartete, ging es dann mit einem Schlauchboot. Dies war vorher zwar nicht kommuniziert worden aber nach der Wanderung war die Aussicht auf dem Fluss entlang zu schippern, und von der Strömung unterstützt zu werden, recht verlockend. Allerdings waren nicht alle Mitreisenden dieser Auffassung, was unter anderem daran liegen könnte, dass viele Chinesen nicht wirklich schwimmen können.

Paddelnder Parkranger
Paddelnder Parkranger

Selbst paddeln? Die chinesischen Parkranger schauten nicht schlecht. Nach dem Motto, was machen wir denn dann noch hier? Die zahlen auch dafür selbst die Paddel in die Hand zu nehmen? Die spinnen die Großnasen! Kurz, dass kam für die Parkranger überhaupt nicht in Frage! Hat zwar Extra-Kosten verursacht aber nach der Hetzerei war es richtig entspannend und bot die Möglichkeit sich endlich die Landschaft in Ruhe anzuschauen. Außer, dass ich mich fühlte wie ein Kolonialherr aus dem letzten Jahrhundert. Es fehlte nur noch die Rikscha.

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