Konkret vor Ort: Meet and greet Shanghai

Shanghai Pudong view at night
Shanghai Pudong view at night

Meine damalige Chefin hatte ihren Listenplatz leider nicht halten können und das Wahlergebnis war nicht zu retten gewesen. Über das Wieso, Weshalb, Warum ist bereits ausreichend philosophiert worden, daher erspare ich euch weitere Ausführungen in dieser Sache. Vielleicht kommt später noch ein kleiner Exkurs dazu, aber in diesem Blog geht es ja um China und nicht um das Wahlergebnis der Partei, der ich seit 2009 angehöre.

Jedenfalls führte das Wahlergebnis 2013 dazu, dass ich mir einen neuen Job suchen musste. Damit war ich zwar nicht allein, dass war aber auch nur ein schwacher Trost. Die Bundesagentur für Arbeit des Bezirks Mitte hatte extra eine eigene Abteilung für die MdB-Mitarbeiter eingerichtet, die nun auf Jobsuche waren. Von der FDP waren auch einige Mitarbeiter anwesend, die, leicht verwirrt dreinschauend, ganz dringend auf der Suche nach einer Anschlussverwendung im kapitalistischen Arbeitsmarktsystem waren. Vor Kurzem hatten Sie noch die Kopierräume in den Bürogebäuden des Deutschen Bundestages belagert um Akten aus ihrem Büros zu schreddern, was das Zeug hält. Nun klangen ihnen wohl hoffentlich die Worte ihres Parteivorsitzenden bezüglich der ehemaligen Mitarbeiterinnen von EDEKA in den Ohren. Mein Mitleid aber ging gegen Null, Zero, Nada.

Jedenfalls hatte ich im Oktober und November 2013 ausreichend Zeit mich auf Stellensuche zu begeben, mich zu bewerben, meinen eigenen Weddingplanner zu spielen und meine Freundin nach China auf Look-See-Tour zu begleiten. Konkret bedeutete dieses Sprachmonster Look-See-Trip für mich, dass ich in kompletten Jetlag-Zustand drei Tage durch Peking gekarrt wurde um mit meiner Freundin verschiedene, mehr oder weniger schöne, Appartementwohnungen für Expats oder reiche Chinesen zu besichtigen.

Exkurs zum Begriff Expats

Expats, was so viel bedeutet wie Expatriierte, ist ein Synonym für westlicher Arbeitsimmigranten jeglicher Provenienz und ist von dem mittellateinischen expatriare, was aus der Heimat weggehen bedeutet, abgeleitet. Meistens aufgewachsen in einem westlichen Industrie- oder Finanzdienstleistungsstaat mit Hochschulabschluss und mindestens 2 bis 3 Fremdsprachen im Gepäck. Letztere Merkmale haben einige Immigranten in Deutschland zwar auch vorzuweisen, interessiert hierzulande nur so gut wie niemanden, zumal wenn diese Menschen illegal eingewandert sein sollten.

Um es mit den Worten eines ehemaligen Freundes meiner Familie zu sagen: „In Deutschland bleibt ein babbischer Jude ein babbischer Jude“. Babbisch ist Darmstädter Dialekt und kommt vom südhessischen pappig, was soviel wie klebrig aber auch schmutzig, unsauber oder schmierig bedeutet. Dieser Typ, um es auf us-amerikanisch zu sagen ein richtiger Hessian, ist daher auch eben kein Freund der Familie mehr.

Nicht-südhessisch, nicht-antisemitisch und „nur“ xenophob ausgedrückt bedeutet dies: Ein Ausländer bleibt in Deutschland anscheinend noch immer ein Ausländer, egal wie sehr die eigene Herkunft versteckt und sich angepasst wird. Da hilft anscheinend alles nichts, das gilt gerade auch für die Haltung der Behörden. Vielleicht ändert sich diese Haltung in Deutschland ja mal, die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Aber zurück zu den China-Planungen und dem Look-See-Trip.

Einmal Peking – Schanghai – Peking und zurück

Der Jetlag wäre wahrscheinlich nicht so ausgefallen, immerhin hatte ich einen Finnair Flug in der Buisness-Klasse, wenn ich nicht direkt nach der Landung in Peking nach drei Stunden Wartezeit weiter nach Shanghai geflogen wäre.

In Shanghai erwartete mich ein Gespräch zwecks kennenlernen und vielleicht später mehr, also irgendwie eine Möglichkeit auf einen Job. Allerdings dann in Shanghai und nicht in Peking, das ist zwar näher als Berlin und Peking, aber so richtig überzeugt war ich nicht. Egal, Netzwerk aufbauen und so, ist ja nicht erst seit heute wichtig.

Das Gespräch während des Abendessens in einem Mexikanischen Restaurant in einer dieser weltweit austauschbaren Gated-Communities war sehr nett. Wir fachsimpelten über Energieeffizienz im Gebäudebereich, ich erzählte Anekdoten aus dem politischen Treiben in Berlin und er bot einige, manche mehr manche weniger, lustige Geschichten aus der Baubranche in China. BER-Desaster, Elbphilharmonie oder Stuttgart21? Nicht in China, wenn etwas fertig werden muss, wie vor der Olympiade 2008, dann wird es fertig. Denn die Partei macht keine Fehler. Die notwendigen Wanderarbeiter werden zusammengezogen und andere Bauarbeiten im Land halt später fertig. So What?! Die Qualität des Gebauten ist zwar ab und an durchaus streitbar, aber gut so ist das nun mal.

Nach dem Abendessen war ich zwar um einige Geschichten und Anekdoten reicher, einen neuen Job hatte ich aber noch immer nicht. Mein Körper fühlte sich komisch an dumpf und aufgedreht zugleich, totale Neugier und endloser Stumpfsinn wechselten sich ständig ab. Ich musste mich endlich mal bewegen also machte ich einen kurzen Abendspaziergang zur bekannten Uferpromenade von Shanghai genannt The Bund. Auch am nächsten Morgen hatte ich noch Bewegungsdrang, kein Wunder nach 24 Stunden herumsitzen, und wiederholte den Spaziergang vom Vorabend.

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